28.04. ‐ 03.05.2026
Jahresthema Kunst lila

DAS LICHTER-JAHRESTHEMA 2026: KUNST


„Kunst ist nicht Luxus, sondern Notwendigkeit.“ Lyonel Feininger


In einer Zeit politischer, technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche rückt LICHTER die Kunst als existenzielle Kraft ins Zentrum seines Festivalprogramms: in den bewegten Bildern des Kinos und weit darüber hinaus.

Kunst ist kein Luxus, keine bloße Verzierung des Lebens. Sie ist ein Medium, in dem sich Gesellschaft und Individuum begegnen – ein Raum der Reflexion, der Fragen stellt und neue Antworten ermöglicht. Gerade in Zeiten tiefgreifender Umbrüche, in denen Verunsicherung und Beschleunigung unser Erleben prägen, gewinnt sie besondere Bedeutung. Doch sie ist heute zunehmend bedroht und umkämpft: Die anhaltende ökonomische Krise, verschärft durch die Verlagerung staatlicher Haushaltsprioritäten – etwa hin zu massiver Aufrüstung – setzt öffentliche wie private Förderung unter Druck und stellt die gesellschaftliche Legitimation von Kunst infrage. Gleichzeitig verschieben sich politische Kräfteverhältnisse in Europa rasant: Das Erstarken extrem rechter Strömungen bringt einen völlig anderen Begriff von Kunst hervor, verbunden mit der Forderung, sie gefällig, funktional oder national nützlich zu machen – und nicht frei, kritisch und experimentell. Hinzu kommt die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz, die künstlerische Prozesse automatisieren kann und damit unser Verständnis von Autorschaft, Originalität und schöpferischer Arbeit grundlegend herausfordert. Auch sie zwingt uns, neu zu verhandeln, was Kunst ist – und wer sie schafft.

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, notierte Paul Klee. Sie ist damit nicht bloß Spiegel, sondern Werkzeug – ein Mittel, Denk- und Fühlräume zu öffnen, die jenseits alltäglicher Routinen liegen. Angesichts globaler Krisen und sozialer Herausforderungen wird spürbar, wie sehr wir solche Räume brauchen, um nicht nur zu überleben, sondern neu zu verstehen und zu gestalten. Sie sind Zuflucht vor der täglichen Informationsflut und zugleich Orte, an denen sich Wahrnehmung vertieft und Zusammenhänge sichtbar werden. Hier lässt sich erproben, wie anders Gesellschaft denken, fühlen und handeln könnte.

Kunst erlaubt es, Konflikte auszutragen und dennoch Verbindung zu schaffen. Sie konfrontiert uns mit dem Unaussprechlichen und macht es sichtbar, wirkt als Katalysator für Wandel und Quelle der Hoffnung. In einer zunehmend säkularisierten Welt übernimmt sie Aufgaben, die einst der Religion vorbehalten waren – sie stiftet Sinn, schafft Rituale und formt Gemeinschaft. Die Pandemie hat diese Kraft nicht nur auf die Probe gestellt, sondern auch verdeutlicht, wie sehr Kunst als soziales Bindemittel wirkt – selbst ohne physische Nähe.


„Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgendetwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können.“ Christoph Schlingensief


Das große Potenzial von Kunst liegt in der Fähigkeit, unser Denken zu erweitern und Impulse zu setzen, die über den Moment hinauswirken. In einer Zeit technologischer und ökologischer Umwälzungen wird Kunst zur Schlüsselressource, um das Neue zu denken und zu erproben. Kunst ist folglich keine Nebensache, sondern existenziell. Sie fordert uns heraus, die Gegenwart nicht nur zu ertragen, sondern kritisch und kreativ zu bearbeiten – und eröffnet damit die Freiheit, die Zukunft anders zu gestalten.


Kino ist Kunst in Bewegung. Sie erscheint nicht statisch wie ein Bild an der Wand, sondern entfaltet sich im Zusammenspiel von Licht, Zeit und Raum: im Dunkel des Saals, im Sirren des Projektors, im kollektiven Blick. Seit den frühen Filmtheorien des 20. Jahrhunderts gilt das Kino als eigenständige Kunstform – als „siebte Kunst“. Doch von Anfang an war es beides zugleich: Jahrmarktsattraktion und Gesamtkunstwerk, Massenmedium und radikales Experiment. Kein anderes Medium zeigt Wirklichkeit so unmittelbar und erfindet sie dabei immer wieder neu.

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Das 19. LICHTER Filmfest wird ein Ort, an dem Kunst nicht nur gezeigt, sondern als gesellschaftliche Kraft gedacht wird – ein Forum, das die künstlerischen Möglichkeiten des Films und der bewegten Bilder auslotet. Mit dem Jahresthema „Kunst“ bündelt das Festival zugleich die Leitmotive der vergangenen Jahre: „Wandel“, „Freiheit“, „Liebe“, „Zukunft“ und „Angst“. Mit seinen über 20 internationalen Langfilmen wird das Festival das Jahresthema „Kunst“ aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und vielfältig ausgestalten.

Der 6. Kongress Zukunft Deutscher Film richtet den Blick auf das Kino als eigenständige Kunstform und als offenes Experimentierfeld. Diskutiert wird, wie künstlerische Praxis Narrative verändert, neue Erzählformen ermöglicht und dem Kino in einer Zeit globaler Umbrüche eine erneuerte Relevanz verleiht.

Mit dem Lichter Art Award präsentiert das Festival ferner eine Ausstellung mit herausragenden Positionen der Videokunst – einer eigenständigen Disziplin der Bildenden Kunst, die zugleich als Schnittstelle zwischen filmischer und bildender Praxis neue ästhetische Horizonte erschließt.