„Verfluchte Liebe deutscher Film“ nannten Dominik Graf und Johannes F. Sievert vor zwei Jahren ihr Portrait des deutschen Genrefilms. Ohne große Schwierigkeiten lässt sich dieser Titel aber auf das gesamte Verhältnis der Deutschen zu ihrem Kino übertragen. Es ist Gegenstand von Glorifizierung und Spott, Gegenstand zahlloser erhitzter Debatten, öffentlicher Loyalitätsbekundungen und heimlicher Lästereien. Das deutsche Kino ist Metropolis, Murnau und Marlene, es ist die „Heimat“, Wenders‘ Träumereien und Fassbinders Arbeitswut, es sind die Vernachlässigten wie *May Spils* oder Roland Klick, die Filmkunsthelden der Gegenwart, Petzold, Krebitz, Ade oder Akin, aber auch Schweighöfer, Schweiger und ihr nicht immer subtiler Humor. Es ist all das, aber es könnte noch viel mehr sein. Warum gelingt es jungen, talentierten Regisseurinnen und Regisseuren trotz gut ausgestatteter öffentlicher Förderung allzu oft nicht, ihre persönlichen, mutigen, andersartigen Filme zu machen? Warum gelangen die vielversprechenden Filme, die es gibt, nicht an ihr Publikum? Warum fehlen deutsche Filme in Cannes, Venedig oder Locarno allzu oft?

Das LICHTER Filmfest, gegründet von Filmschaffenden aus Frankfurt und Rhein-Main mit dem Ziel, den Film aus der eigenen Region zu stärken und ihn international zu vernetzen, widmet sich diesen Frage mit einer großen Konferenz. Wir glauben an das Kino. Wir glauben daran, dass eine Gesellschaft durch das Kino eine Möglichkeit hat, sich zu spiegeln, sich zu hinterfragen, sich zu unterhalten – kurz gesagt: Dass eine Kulturlandschaft ohne Kino nur halb so schön ist. Deshalb wollen wir darüber reden und konkrete Vorschläge machen, wie das deutsche Kino vorankommen kann, wie es Teil eines lebendigen europäischen Filmschaffens werden kann.

Die Debatten bei der zweitägigen Konferenz gliedern sich an vier Leitfäden. Es geht um die Kino- und Filmkultur im digitalen Zeitalter, außerdem darum, welche Rolle Filme als audiovisuelle Form heute spielen, wie der Ort des Kinos belebt und entwickelt werden kann, wie Filmkunst einen größeren Platz in der Kulturlandschaft einnehmen kann. Zweitens stellen wir uns die Frage nach der Ausbildung und den Arbeitsmöglichkeiten junger Filmemacherinnen und Filmemacher. Damit sie ihre Ideen frei umsetzen können, bedarf es drittens der Debatte um die Möglichkeiten von Förderung und Finanzierung und die Rolle, die das Fernsehen dabei spielt. Viertens wollen wir vergleichen, wie all das in einem internationalen und vor allem europäischen Kontext dasteht, denn die Liebe zum Kino kennt keine Grenzen.

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