10.05. ‐ 15.05.2022

Flee (Flugt)

Jonas Poher Rasmussen

Flee ist kein klassischer Dokumentarfilm. Ähnlich wie im preisgekrönten Waltz with Bashir wird hier mithilfe animierter Szenen die Geschichte von Amin erzählt – immer wieder durchbrochen von grafischem Archivbildmaterial. In eindrücklichen Interviews berichtet er seinem alten Schulfreund, dem Filmemacher Jonas Poher Rasmussen, von seiner Kindheit in Afghanistan und der Flucht vor den Taliban. Mehr als 20 Jahre lang traute er niemandem die wahren Ereignisse seiner Odyssee an, die ihn mit seiner Familie nach Russland und später allein nach Dänemark führten – aus gutem Grund, den der Film offenbart.

Auch wenn Krieg und Flucht uns heute wieder täglich begegnen, ist der mit drei Oscars nominierte Film über die Suche nach Freiheit und Heimat ein unbedingtes Must-see, um zu verstehen, wie lange solch ein Trauma einen Menschen begleiten kann.

14. Mai 2022

20:00 Uhr, Cantate-Saal – Volksbühne Im Großen Hirschgraben

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Regie Jonas Poher Rasmussen
Land Dänemark / Schweden / Norwegen / Frankreich
Jahr 2021
Spieldauer 89 min
Sprache Dänisch, Farsi, Russisch, Englisch, Schwedisch mit englischen Untertiteln
Produktion Monica Hellström, Signe Byrge Sørensen, Charlotte De La Gournerie
Kamera Mauricio Gonzalez-Aranda
Drehbuch Jonas Poher Rasmussen, „Amin“
Schnitt Janus Billeskov Jansen
Ton Armin Badde
Musik Uno Helmersson


Nominiert für drei Oscars (Bester Ausländischer Film, Bester Dokumentarfilm & Bester Animationsfilm), Golden Globes und BAFTAs

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Über den Regisseur

Der dänisch-französische Regisseur und Drehbuchautor Jonas Poher Rasmussen arbeitet seit Anfang der 2000er-Jahre als Dokumentarfilmer. 2010 schloss er sein Studium beim Kopenhagener Filmkollektiv Super16ab. Vor allem mit Searching for Bill (2012) konnte er sich international etablieren. Sein neuester Film Flee feierte seine Weltpremiere auf dem Sundance Film Festival. Er wurde dieses Jahr für drei Oscars (Bester Ausländischer Film, Bester Dokumentarfilm und Bester Animationsfilm), für die Golden Globes und die BAFTAs nominiert und gewann schon zahlreiche Filmpreise, darunter den Europäischen Filmpreis und den British Independent Film Award (BIFA).

Pressestimmen

Filmstarts.de: „Jonas Poher Rasmussen setzt sich in seinem herausragenden Animadok-Film mit der Suche nach Heimat, verlorener Identität und Vergangenheitsbewältigung auseinander. Bewegend und eindringlich erzählt Flee von der Auseinandersetzung mit einer traumatischen Flucht sowie dem inneren Ringen, zu sich selbst und der eigenen Vergangenheit stehen zu können.“

Zürich Film Festival: Entstanden ist ein zutiefst berührender, bahnbrechender animierter Dokumentarfilm über Flucht, Migration und Identitätssuche im gegenwärtigen Europa.

Der Regisseur über den Film:

„Amin wollte mit seiner Vergangenheit ins Reine kommen – denn all die Traumata, die mit seiner Kindheit verbunden waren, hatten eine Distanz zwischen allen Menschen in seinem Leben geschaffen, und die Tatsache, dass er nicht in der Lage war, sein ganzes Selbst zu zeigen, war zu einer schweren Last für Amin geworden. Aber er wollte seine Geschichte auch erzählen, damit die Menschen verstehen, was es bedeutet, um sein Leben zu fliehen. Durch die Animation fühlte sich Amin wohl dabei, seine Geschichte zu veröffentlichen. Wir konnten seine echte Stimme im Film verwenden, aber er konnte trotzdem anonym bleiben. Das war auch wichtig für Amin, denn er hat Familie, die nach Afghanistan zurückgekehrt ist, und er möchte auch ihre Privatsphäre respektieren.

Aus einem Interview mit The Times of Israel:

„Ich habe mir nicht vorgenommen, ‚eine Flüchtlingsgeschichte‘ zu schreiben. [...] Ich war einfach nur neugierig auf die Geschichte meines Freundes. Das war ein positiver Ansatz, der sich mit der Zeit veränderte. Im Jahr 2015 erreichte die ‚Flüchtlingskrise‘ Europa, und es gab zum Beispiel Syrer, die auf den dänischen Autobahnen unterwegs waren. Das war ein Wendepunkt, an dem mir klar wurde, dass es nicht nur um meinen Freund geht, sondern darum, den Geflüchteten ein menschliches Gesicht zu geben. Es wurde mir wichtig, zum Ausdruck zu bringen, dass ein:e Geflüchtete:r zu sein keine Identität ist, sondern ein Lebensumstand.“



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