Salon – Zukunft deutscher Film. Wohin mit dem Dokumentarfilm? Festivals und Kinos – Digitale Plattformen und der öffentlich-rechtliche (Spät)Sendeplatz

Die Veranstaltung kann nicht wie geplant vor Ort in Kassel stattfinden. Die Teilnehmer*innen des Salons treffen sich nun virtuell am 19. und 20. November. 

Es ist Bewegung im Spiel, wenn auch ungewollt. Covid19 stellt die Welt vor gewaltige Aufgaben und macht den Ausnahmezustand zum Alltag. Die Folgen der Corona-Krise für die Filmbranche und das Kino haben in Deutschland und der Welt zu einem Umdenken geführt. Lange existierende Strukturen, die sich über viele Jahre nicht geändert hatten (oder ändern ließen), mussten in kürzester Zeit überdacht werden. Viele der aktuellen Denkmodelle sind zwar nicht neu, die Pandemie und die damit verbundenen Folgen haben aber dazu geführt, Theorien und Konzepte (gezwungenermaßen) in der Praxis zu erproben.

 Der Dokumentarfilm, der seit langem nach einem passenden Ort des Aufgehobenseins sucht, hat mit dem neu entfachten Interesse am Streaming eine grundsätzliche Debatte entfacht: Wo und wie kann der Kino- Dokumentarfilm sein Publikum finden?

Zwar wird die Forderung nach alternativen Verwertungsmöglichkeiten im Internet schon seit Jahren von der AG Dok vorangetrieben – erinnert sei an Thomas Frickels Gastbeitrag  in der FAZ aus dem Jahr 2015 („Direkt ins Netz“) – so richtig Fahrt aufgenommen hat die Debatte allerdings erst kürzlich, als das DOK.fest München in einer Pressemitteilung bekannt gab, dass mehr als 75.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Filme des DOK.fest München@home gesehen haben. Ein sensationelles Ergebnis für den Dokumentarfilm.

Daraus ergeben sich interessante Fragestellungen:

  • Welche neuen, grundsätzlichen Fragen stellen sich für den Dokumentarfilm bei Herstellung, Verleih und Vertrieb?
  • Welche unterschiedlichen Perspektiven und Positionen müssen bei dieser Entwicklung bedacht, diskutiert und abgewogen werden?
  • Welche klärungsbedürftigen Rechtsfragen sind von grundsätzlicher Bedeutung?
  • Welche Rolle kommt dabei dem Kino zu?
  • Welche alternativen Verwertungsketten müssen diskutiert werden?
  • Hat der Stream Auswirkungen auf die Filmverwertungskette?
  • Sind Sendeplätze im Fernsehen nun endgültig überholt?

Die Macher*innen des LICHTER Filmfests greifen den aktuellen Gesprächs- und Handlungsbedarf auf und veranstalten – zusammen mit dem Kasseler Dokfest – die zweite Veranstaltung zur Zukunft des deutschen Films mit dem Fokus Dokumentarfilm.

Gemeinsam planen und organisieren die Festivalmacher*innen aus Kassel und Frankfurt den Salon – Zukunft deutscher Film. – Wohin mit dem Dokumentarfilm? Festivals und Kinos – Digitale Plattformen und der öffentlich-rechtliche (Spät)Sendeplatz.

Expert*innen aus dem deutschsprachigen Raum sind zu einem gemeinsamen Denkprozess eingeladen. Einen Tag lang gibt es beim Kasseler Dokfest einen geschützten Kreativraum, um sich – in einer nichtöffentlichen Runde – auszutauschen, den Zustand des Dokumentarfilms in Bezug auf seine Auswertung zu reflektieren, zukünftige Modelle zu diskutieren und Visionen zu entwickeln.

Von hier aus sollen konkrete Anstöße zu Reformen im System ausgehen – und zwar jenseits aller Denkverbote. Der Salon soll konkrete Handlungsempfehlungen entwickeln und Vorschläge auf den Tisch bringen, die die politischen Entscheidungsträger*innen nicht einfach zur Seite schieben können.

Die möglichen Ergebnisse aus dem Salon legen eine weitere fachliche Grundlage für den Kongress „Zukunft deutscher Film.“ 2020. Dieser findet am 3. und 4. Dezember 2020 in Frankfurt am Main statt.

Die Teilnehmer*innen am Salon:

Dunja Bialas, Studium der Romanistik und Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft in München und Paris, ist seit 2000 leitende Redakteurin des Filmmagazins „artechock“. Seitdem filmkritische Tätigkeit u.a. für „artechock“, „Tagesspiegel“ und „Filmdienst“. Von 2002 bis 2013 arbeitete sie als Kuratorin beim Dok.Fest München. 2006 gründete sie mit Bernd Brehmer das internationale Filmfestival UNDERDOX. Seit 2013 ist sie Vorstandssprecherin des Verbands der deutschen Filmkritik. 2014 rief sie den VIDEODOX Förderpreis – Biennale für Videokunst aus Bayern ins Leben. Sie ist Mitbegründerin des Hauptverbands Cinephilie (2018) und Mitglied der AG Filmfestival. Sie lebt in München.

Susanne Binninger interessiert sich als Filmemacherin für gesellschaftliche Phänomenen wie der Konstruktion von Identität und Geschlecht: „Reine Männersache“ untersucht männliche Rollenbilder (Nominierung Grimme-Preis 2011), der Kinodokumentarfilm „Fighter“ beschäftigt sich mit Mixed Martial Artists (Vorauswahl Deutscher Filmpreis 2018). Susanne Binninger ist Produzentin in ihrer Firma Oktoberfilm (mit Andreas Goldstein), lehrt Dokumentarfilm und ist zusammen mit David Bernet Vorsitzende der AG DOK, dem Berufsverband der deutschen Dokumentarfilmer*innen.

Thomas Frickel, geboren 1954, studierte Germanistik, Publizistik, Soziologie. Mehrere Jahre freiberuflicher Journalist mit den Arbeitsschwerpunkten Kulturberichterstattung, historische Reportage. Filmarbeit seit 1968. Autor, Regisseur und Produzent zahlreicher kurzer und programmfüllender Dokumentarfilme (u.a. „Keine Startbahn West – Eine Region wehrt sich", „Der Kinomann", „Der Störenfried – Ermittlungen zu Oskar Brüsewitz", „Deckname Dennis", „Die Mondverschwörung", „Wunder der Wirklichkeit"). Von 1986 bis 2020 war er Vorsitzender und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (des mitgliederstärksten Verbandes für den unabhängigen Film in Deutschland).  

Judith Funke lebt in Köln und leitet dort seit 2020 die Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW. Als freie Filmvermittlerin und Kuratorin arbeitet sie daneben im Auswahlgremium der Berlinale Shorts und als Co-Initiatorin des Dokumentarfilm-Vermittlungsprojekts „Reality Bites“ in NRW. Von 2013-2019 war sie in der Auswahlkommission Kurzfilm des Kasseler Dokfests, von 2016-2018 Leiterin des „Kino im U“ in Dortmund. Sie ist Vorstandsmitglied des Hauptverbands Cinephilie.

Ulrike Kiesche studierte nach dem Abitur Betriebswirtschaftslehre an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nach Positionen als Referatsleiterin in der Hessischen Staatskanzlei sowie im Hessischen Ministerium der Justiz ist sie nun aktuell Referatsleiterin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, wo sie für den Bereich Film und Medien verantwortlich ist.

Stefan Kloos, geboren 1968, ist geschäftsführender Gesellschafter von Kloos & Co., einer Produktionsfirma für internationale Koproduktionen für Kino und TV. Er leitet ebenfalls Rise and Shine World Sales, einen Weltvertrieb für Dokumentarfilme, und Rise and Shine Cinema, einen Kinoverleih für Dokumentarfilme, der sich insbesondere mit innovativen Auswertungsformen und Zielgruppenstrategien beschäftigt. Kloos ist Grimme-Preisträger, Mitglied der Deutschen und der Europäischen Filmakademie. Zu den preisgekrönten Produktionen und Koproduktionen gehören u.a. der Oscar-nominierte „Die letzten Männer von Aleppo“. Für seine Produktion „Hi, AI“ war er 2019 für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ nominiert. 

Jens Geiger ist Programmkurator für Filmfestivals, Kinos und Ausstellungen aus Hamburg. Seit über zehn Jahren kuratiert er Filmprogramme und Ausstellungen in einer Vielzahl von analogen und digitalen Räumen. Seit 2011 ist er Programmkurator beim Filmfest Hamburg, seit 2018 Programmberater für das Kasseler Dokfest. Zwischen 2017 und 2019 war er künstlerischer Leiter der Kinemathek Karlsruhe und arbeitet heute weiterhin in Kinos, auf Festivals und in den unterschiedlichsten Räumen.

Mala Reinhardt, geboren 1989,) lebt in Berlin und studiert Regie an der Filmuniversität Babelsberg. Zuvor Studium der Ethnologie in Köln, Neu-Delhi und Kampala. Sie arbeitet als Regisseurin und Produzentin von Dokumentarfilmen. Ihr Film „Der zweite Anschlag“, ein freies Projekt über rechte Gewalt in Deutschland, hatte seine Premiere 2018 bei DOK Leipzig im Deutschen Wettbewerb. Er war zudem u.a. beim Deutschen Dokumentarfilmpreis, dem Kasseler Dokfest, Docs Against Gravity und dem Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund Köln zu sehen.

Daniel Sponsel, Studium der Visuellen Kommunikation an der HfbK Hamburg. Abschluss Studium Regie an der HFF München. Nach dem Studium als Regisseur, Autor und Kameramann tätig. Zwischen 2002 und 2009 Dozent an der HFF München. Aktuell als Gastdozent mit dem Schwerpunkt Dramaturgie und Stoffentwicklung an der ZHDK Zürich und ZELIG Bozen. Autor diverser Veröffentlichungen und Textbeiträge zum Thema Dokumentarfilmtheorie und dokumentarisches Arbeiten. Seit September 2009 ist Daniel Sponsel Leiter des DOK.fest München.

Irene von Alberti studierte an der HFF München und ist seit 1992 als Regisseurin, Produzentin und Autorin tätig. Mit ihrer Produktionsfirma Filmgalerie 451 produziert sie Arthouse-Kinofilme wie zum Beispiel „Der Hauptmann“ (Regie: Robert Schwentke) oder den Dokumentarfilm „Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien“ (Regie: Bettina Böhler). Für ihre eigenen Filme, die eher im experimentellen Low-Budget-Bereich angesiedelt sind, schrieb sie auch die Drehbücher: „Der lange Sommer der Theorie“, „Tangerine“ und „Stadt als Beute“.

Lysann Windisch leitete über 5 Jahre mehrere Programmkinos in München und Berlin, zudem kuratierte und organisierte sie Festivals und Filmveranstaltungen mit Schwerpunkt auf osteuropäischen Film. Im Jahr 2018 trat sie dem chinesisch-europäischen Produzentenverband „Bridging the Dragon“ als Managerin für Festivals und Partnerschaften bei. Seit 2019 leitet sie das internationale Ausbildungsprogramm NEXT WAVE an der Berliner Filmhochschule DFFB, das sich mit innovativen Auswertungsstrategien im Filmmarkt beschäftigt. Sie ist Mentorin des CICAE-Trainings in Venedig. Seit 2020 betreut sie die Marketingaktivitäten von MUBI Deutschland und verantwortet das Projekt MUBI GO. 

Moderation:

Gregor Maria Schubert (LICHTER Filmfest Frankfurt International)

Gastgeber/in:

Henning Adam (LICHTER Filmfest Frankfurt International)

Johanna Süß (LICHTER Filmfest Frankfurt International)

Gerhard Wissner Ventura (Kasseler Dokfest)

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