Redoubt
von Paula Rudolf | am Dienstag, 5. Mai 2026
Schweden inmitten des Kalten Kriegs. Während sich der Rest seines kleinen Dorfes trotz der immerwährenden Anspannung mit Arbeit und Dorffesten bei Laune hält, hat sich der Außenseiter Karl-Göran der Aufgabe verschrieben, seine eigene Festung zu bauen. Mit Redoubt (Originaltitel: VÄRN) schafft Regisseur und Künstler John Skoog ein Werk, das in seiner Stille emotionalisiert und trotzdem ein Gefühl von Leere hinterlässt.
Erste Szene, Standbild. Untermalt von stilisierten, laut heulenden Alarmsirenen dreht Karl-Göran unregelmäßige, wacklige Kreise in einem Kornfeld. Schon hier wird deutlich: Trotz seiner unbeholfenen Art lässt sich der sonderbare kleine Mann nicht abbringen. Nicht vom Ziehen von Kreisen und auch nicht von der Mission, sich selbst einzubunkern. Hastig verrichtet er die Lohnarbeit auf dem Feld, damit er danach so schnell wie möglich zum Weiterbau an der Festung zurückkehren kann. Um sich und seine Nachbarn vor einer Invasion aus dem Osten zu wappnen, schleppt er Säcke voll Zement, Berge an Metallschrott und sogar Eisenbahnschienen auf seinem Fahrrad übers Feld.
Mit dem fantastischen Franzosen Denis Lavant, den Skoog von Beginn an für die Rolle des Karl-Göran vorsah, entsteht die Figur eines Mannes, der in seinem verzweifelten Determinismus irgendwann nicht mehr irritiert, sondern Mitleid hervorruft. Lavant, der für die Rolle extra Schwedisch lernte, überzeugt besonders mit seiner nie endenden Arbeitswut und starken Körperlichkeit, während er Karl-Göran gleichzeitig eine fast großväterliche Liebenswürdigkeit verleiht.
Anfänglich ein – wohl sonderbarer – Teil der Dorfgemeinschaft, besonders geliebt von den Frauen und Kindern, isoliert sich der Protagonist immer weiter vom Rest der Welt. So gefangen in seiner Angst und dem Zwang zu rüsten, dass man irgendwann selbst den Wunsch verspürt, der Krieg möge doch kommen. Damit es, wie Karl-Göran es zuletzt selbst artikuliert, endlich aufhören kann.
Die Entscheidung, Redoubt in Schwarz-Weiß zu filmen, verstärkt das beklemmende Gefühl, das über den ganzen Film hinweg zu spüren ist. So entsteht eine verzerrte Atmosphäre, die ihn in eine künstlerische, andere Realität versetzt. Auch die Kamera trägt maßgeblich zu dieser Atmosphäre bei. Mit bewussten, gemächlichen Fahrten und langgezogenen Standbildern schafft Ita Zbroniec-Zajt einen intimen, fast schon zu durchdringenden Blick auf das Geschehen, der an manchen Stellen allerdings einen Atemzug zu lang anhält.
Trotzdem schafft er es, die schier unerträgliche Anspannung des ewigen Wartens auf einen nie kommenden Krieg so emotional einzufangen, dass sie beinahe durch die Leinwand gekrochen kommt. So funktioniert Redoubt nicht nur als Hommage an Karl-Göran und sein titelgebendes Werk – John Skoog schafft auch ein Abbild genau jenes erdrückenden Gefühls, das damals wohl nicht nur große Teile der schwedischen Bevölkerung in seiner kalten Hand gefangen hielt.
Dennoch fühlt sich der Film nach dem Abspann unvollständig an. Womöglich gewollt, hinterlässt das Ende ein Gefühl der Abruptheit. Eine Lücke tut sich auf, eine irrationale Wut darüber, dass die Arbeit Karl-Görans zwecklos blieb. Und nun, so einsam und verlassen wie ihr Erbauer, irgendwo in Süd-Schweden langsam in den Boden versinkt.