Filmreihe Zukunft Deutscher Film

Die Initiative „Zukunft Deutscher Film“ widmet sich dem deutschen Filmschaffen im Generellen wie im Besonderen und hat es sich zum Ziel gesetzt, die Relevanz deutscher Filmkunst in enger Zusammenarbeit mit Meinungsmacher*innen und relevanten Institutionen im Bereich Film zu festigen.

Im Rahmen des LICHTER-On-Demand Programm zeigt das 13. LICHTER Filmfest in der Filmreihe Zukunft Deutscher Film Glanzlichter des deutschen Kinos.

Orphea

Ein Film von Alexander Kluge und Khavn De La Cruz

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Sprache: Deutsch, Untertitel: Englisch

Interview mit Regisseur Alexander Kluge hier abrufbar

Geschlechtertausch im Orpheus-Mythos: Eine engelsgleich anmutende Lilith Stangenberg ist gefeierter Star der Underground-Rockszene in den Slums von Manila. Als ihr Euridiko stirbt, folgt sie ihm in die Unterwelt. Mit der Kraft ihrer Songs befreit sie nicht nur ihren Geliebten. Orphea will Unsterblichkeit für jeden.

Alexander Kluge und der philippinische Ausnahmekünstler Khavn sprengen mit diesem Rock-Musical die normierte Vorstellung, was Filmkunst sein kann. Assoziationsketten verpackt in wild gewordenen Montagen und ein Ritt durch die Kulturgeschichte von Adorno bis Ingmar Bergman münden in der Erkenntnis, dass es eine Wendung in Orpheus gescheitertem Totentanz geben muss. Orphea will nicht nur ihre Liebe zurück, sie will auch einen Neubeginn der Kunst. In diesem Sinne sind die beiden Regisseure wahre Romantiker.

Experimenteller Essayfilm, D 2020, OmeU, Dauer: 99 Min., mit: Lilith Stangenberg, Ian Madrigal

Nackte Tiere

Ein Film von Melanie Waelde

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Sprache: Deutsch, Untertitel: Englisch

Interview mit Regisseurin Melanie Waelde hier abrufbar

Lobende Erwähnung beim GWFF Preis Bester Erstlingsfilm bei der Berlinale 2020

Die Jugend, verloren in der Provinz. Katja und ihre Freunde rennen ineinander, kassieren Faustschläge, küssen sich und laufen wieder voneinander weg. Nähe und Schmerz sind eins. Zwischen sozialem Plattenbau, der Freiheit des Führerscheins und einem dysfunktionalen Elternhaus träumen sie in ihrem letzten gemeinsamen Winter vor dem Abitur von der Welt da draußen und wissen doch nicht, ob sie voneinander lassen wollen.

Mit welch roher Physis hier die „nackten Tiere“ miteinander keifen, hat das deutsche Kino lange nicht gesehen. Wie das beengte 6:5-Bildformat der Kamera kennen die Gemüter der Jugendlichen nicht den Horizont. Es geht nur geradeaus, gegen die Wand. Im Zentrum von Melanie Waeldes Coming-of-Age-Langfilmdebüt: Die ungemein einnehmende Intensität aus Stärke und Verletzlichkeit der Hauptdarstellerin Marie Tragousti. 

Spielfilm, D 2020, OmeU, Dauer: 83 Min., FSK:12, mit: Marie Tragousti, Sammy Scheuritzel, Michelangelo Fortuzzi, Luna Schaller, Paul Michael Stiehler

Der zweite Anschlag

Ein Film von Mala Reinhardt

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Sprache: Deutsch und Türkisch, Untertitel: Englisch

Interview mit Regisseurin Mala Reinhardt hier abrufbar

DOK Leipzig 2018: Lobende Erwähnung der Jury des ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness

Nominiert für den Filmpreis Leipziger Ring und den Young Eyes Film Award

„Fragen wir uns selbst einmal, wie viele im Raum hier denn die Betroffenen des NSU kennen. An wie viele Geschichten der Opfer können wir uns erinnern?“ Diese Frage stellt Ibrahim Arslan im Rahmen einer Veranstaltung des Tribunal NSU-Komplex auflösen. Rassistische Anschläge und Morde wiederholen sich in Deutschland mit erschreckender Kontinuität. Das mediale Interesse gilt dabei fast ausschließlich den Attentäter*innen.

In Der Zweite Anschlag erzählen die Opfer selbst: Von den Terroranschlägen des NSU, dem rassistischen Brandanschlag in Mölln und den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen. Die Geschichten der Protagonist*innen verweben sich, denn alle treten sie ein für eine lückenlose Aufklärung und ein Ende des Terrors. Dabei klagen sie an: Einen Staat, der nichts unternimmt, einen Polizeiapparat, der selbst ein strukturelles rechtes Problem hat und eine Bevölkerung, die anfeuert, unterstützt oder wegsieht. Ein Film, der gesehen werden muss.

 [Triggerwarnung: Rassismus, Rechter Terror]

Dokumentarfilm, D 2018, Deutsch und Türkisch mit englischen Untertiteln, Dauer: 62 Min, mit: Mai Phương Kollath, Ibrahim Arslan, Osman Taşköprü, Özge Pınar Sarp, Ayşe Güleç, Gülüstan Ayaz-Avcı

Lovemobil

Ein Film von Elke Margarete Lehrenkrauss

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Mehr als zwanzig Wohnwagen verteilen sich entlang einer Bundesstraße in Niedersachsen. Sie sind geschmückt mit herzförmigen Lichterketten und farbigen Vorhängen. Was gemütlich klingen mag, sind mobile Bordelle, in denen junge Frauen schlafen, essen und vor allem eines tun: auf Kundschaft warten. Die triste Atmosphäre der ausgestorbenen Landschaft spitzt sich weiter zu, als eine der Frauen ermordet wird und sich die prekäre Situation der Sexarbeiterinnen immer deutlicher offenbart.   

Drei Jahre dauerten die Dreharbeiten des Dokumentarfilms, der einen ernsten und beeindruckenden Einblick in ein Milieu liefert, in dem jede*r für sich selbst kämpfen muss. Geprägt wird der Film insbesondere durch seine drei Protagonistinnen, die intime Einblicke gewähren in ihren bisherigen Lebensweg und ihre Versuche, dem perspektivlosen Mikrokosmos zu entkommen.  

Der erste Langfilm von Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss wurde u.a. auf Filmfestivals in Los Angeles, Braunschweig und Osnabrück ausgezeichnet und befindet sich aktuell in der Vorauswahl des Deutschen Filmpreises.  

[Trigger-Warnung: Sexuelle Gewalt] 

Dokumentarfilm, D 2019, OmdU, Dauer: 103 Min

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