Internationales Filmprogramm „Macht“

„Macht“ ist das Schwerpunktthema des diesjährigen LICHTER Filmfest Frankfurt International. Bei seiner 13. Ausgabe beleuchtet das Festival die Machtmechanismen der Welt mit einem internationalen Filmprogramm und interdisziplinären Gesprächsrunden.

Klima-Bewegungen und globale Tech-Konzerne avancieren zu entscheidenden Taktgebern unserer Gesellschaft. Das politische Tagesgeschäft wird zunehmend von ideologischen Grabenkämpfen bestimmt. Wo wäre unsere Welt ohne das bürgerliche Engagement gegen Korruption und Populismus? Im Zeichen dieser Umbrüche steht die Menschheit derzeit an einem Wendepunkt, der die Machtverhältnisse weltweit verändern wird. Diesen spannenden Moment will LICHTER vom 21. bis 26. April mit seinem LICHTER-On-Demand Programm untersuchen. 

Bacurau (Nighthawk)

Ein Film von Kleber Mendonça Filho und Juliano Dornelles. 

Sprache: Portugiesisch und Englisch - Untertitel: Englisch

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Cannes Film Festival2019 – Gewinner des Preises der Jury 

Eine junge Frau kehrt zur Trauerfeier der Matriarchin ihres Heimatdorfs in das kleine, abgelegene Bacurau zurück. Die Einwohner*innen des Ortes sind von Problemen geplagt: Der neue Bürgermeister hat die Wasserversorgung gekappt und Medikamente gibt es kaum noch. Im Fernsehen werden Exekutionen aus fernen Großstädten übertragen, über dem Dorf schwebt eine Drohne, es tauchen mysteriöse Motorradtourist*innen auf. Der Kontakt zur Außenwelt reißt ab und eines Nachts galoppieren, wie ein schlechtes Omen, Pferde durch das Dorf.  

Nicht weit entfernt führt Michael (Udo Kier) Safari-Jäger*innen durch das Umland. Geld und Privilegien erlauben ihnen alles, was sie sich vorstellen können. Sie kommen der utopisch bunt-geprägten Gesellschaft, in der jede*r die gleiche Wertschätzung erfährt, immer näher. Eine Konfrontation zwischen Menschlichkeit, postkolonialen Strukturen, blankem Kapitalismus und imperialistischer Säuberung scheint unausweichlich.  

[Triggerwarnung: Mord, explizite Gewalt] 

Spielfilm, BRA 2019, OmeU, Dauer: 132 Min., mit: Bárbara Colen, Sonia Braga, Udo Kier, Thomas Aquino, Silvero Pereira 

The Twentieth Century

Ein Film von Matthew Rankin

Sprache: Englisch, Untertitel: Englisch

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Interview mit Regisseur Matthew Rankin hier abrufbar

Berlin International Film Festival 2020 - Gewinner des FIPRESCI-Preises

Toronto International Film Festival2019 – Gewinner Bester kanadischer Erstlingsfilm

Ganze fünf Legislaturen lang war William Lyon Mackenzie King kanadischer Premierminister. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen Roosevelt und Churchill war er von eher schüchterner Natur, sein Charisma soll genauso lausig gewesen sein wie seine Führungsqualitäten. Dessen posthum veröffentlichte Tagebücher nimmt Regisseur Matthew Rankin als Grundlage für eine unverschämt bizarre Polit-Groteske über Kings Aufstieg zum vielleicht mächtigsten Politiker Kanadas. 

Stellen Sie sich Monty Python im Fiebertraum vor, Dali mit einem Stiefelfetisch - das Ganze gefilmt auf 16mm und in konsequenter Ästhetik des frühen Kinos. Nein? Reicht nicht? Ein ejakulierender Kaktus,vielleicht? Auch wenn es um ein Stück kanadische Geschichte geht, die hierzulande möglicherweise niemanden interessiert: Dieser Film ist in allerlei Hinsicht ein bissiger Kommentar auf menschliches Gebaren in der Politik.

Spielfilm, CDN 2019, OV, Dauer: 90 Min., mit: Dan Beirne, Marianne Cormier, Catherine St-Laurent, Mikhaïl Ahooja, Brent Skagford, Seán Cullen, Louis Negin, Kee Chan u.a.

Soleis Noirs (Dark Suns)

Ein Film von Julien Elie

Sprache: Spanisch und Englisch - Untertitel: Englisch

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Interview mit Regisseur Julien Elie hier abrufbar

Hamburg Film Festival 2019 – Gewinner des Sichtwechsel-Filmpreis

Kokain ist eine der beliebtesten Drogen der Welt, Mexiko einer der größten Exporteure. Seit des War on Drugs der Regierung, von kritischen Beobachter*innen gemeinhin auch als Krieg um die Vorherrschaft über die Vertriebswege gedeutet, sind zehntausende Menschen getötet worden, unzählige mehr verschwunden. In der vorherrschenden Korruption sind die Akteur*innen kaum mehr auseinanderzuhalten. 

Dark Suns schafft einen in dieser Gesamtheit noch nicht zusammengetragenen Überblick zu den katastrophalen Folgen für die Bevölkerung. Von Frauenmorden und Menschenhandel bis hin zu Formen moderner Sklaverei, Einschüchterung der freien Presse und der bedrohlichen Situation für politische Aktivist*innen zeichnet sich ein umfassend recherchiertes Bild eines Failed State an der Grenze zur größten Volkswirtschaft der Welt. Aktivist*innen und Hinterbliebene berichten vom Leben im Jahre währenden Ausnahmezustand und der Ungewissheit über den Verbleib ihrer Angehörigen.

[Triggerwarnung: Berichte über Mord & Vergewaltigung]

Dokumentarfilm, CA/MEX 2018, OmeU, Dauer: 154 Min.

Monsieur Killerstyle (Le Daim)

Ein Film von Quentin Dupieux

Sprache: Französisch - Untertitel: Englisch

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100% Hirschleder! Der letzte Trost für den völlig ausgebrannten und von seiner Frau vor die Tür gesetzten Georges: Eine lächerlich enge Cowboyjacke. Einen Camcorder gab es für die fast 8.000 Euro, die „das Biest“ gekostet hat, gratis obendrauf. Der Zugang zum Ehekonto wurde nach dieser letzten kleinen Anschaffung endgültig gesperrt, doch das war es wert. Mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattet gibt er sich vor der Bartenderin Denise als berühmter Filmemacher aus. Da diese zufällig Cutterin ist und er so ausgebrannt, dass er seinen Ehering als Pfand für sein Hotelzimmer zurücklassen musste, spannt er sie kurzerhand für seinen neuen Filmdreh ein — unter der Bedingung natürlich, dass sie ihn so lange aushält, bis seine Produzenten sich wieder melden. 

Thema des Films: die 100%(!)-Hirschlederjacke. Die Obsession mit ihr nimmt langsam überhand, als sich in Georges der Wunsch manifestiert, gerne der Welten letzter Jackenträger zu sein. Kultregisseur Quentin Dupieux verbeugt sich tief vor der Macht der alle-Gedanken-okkupierenden Lederjacke in dieser absurd konsequenten Komödie. 

[Triggerwarnung: explizite Gewalt]

Spielfilm, F 2019, OmeU, Dauer: 77 Min. Buch, Kamera und Schnitt: Quentin Dupieux, Ton: Cyril Holtz, Guillaume Le Braz, Musik: Janko Nilovic, Produktion: Mathieu Verhaeghe, Thomas Verhaeghe, mit: Jean Dujardin, Adèle Haenel, Albert Delpy, Coralie Russier, Laurent Nicolas u.a. 

Knuckle City

Ein Film von Jahmil X.T. Qubeka. 

Sprache: Xhosa - Untertitel: Englisch

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Durban International Film Festival 2019 – Winner Best Actor

Dudu ist ein abgehalfterter Boxer, der sich mehr schlecht als recht um seine stetig wachsende Familie kümmert. Lieber vertreibt sich der Womanizer seine Zeit mit Mitschülerinnen seiner ältesten Tochter oder probt für ein vergebliches Comeback.

Als sein kleiner Bruder Duke aus dem Knast freikommt, stellt dieser den sowieso schon fragilen Hausfrieden mit seiner kriminellen Energie nochmals gehörig auf den Kopf. „Alles für die Familie“, das hat Dudu sich von seinem ermordeten Vater be-wahrt. Er setzt demnach alles daran, Duke auf den rechten Weg zurückzuführen und wandelt dafür selbst auf gefährlichen Pfaden. Doch vielleicht erhält er so seine Chance, lange verdrängte Rechnungen zu begleichen?

Knuckle City ist authentisches Genrekino mit treibendem Soundtrack. Der unge-schönte Blick auf die verarmte südafrikanische Post-Apartheid Provinz stellt scho-nungslos das in der Perspektivlosigkeit kultivierte männliche Machtgehabe in all seiner Vertracktheit bloß.

[Triggerwarnung: Gewalt]

Spielfilm, SA 2019, OmeU, Dauer: 120 Min., mit: Bongile Mantsai, Thembekile Komani, Patrick Ndlovu, Faniswa Yisa, Siv Ngesi u.a.

Dylda (Beanpole)

Ein Film von Kantemir Bagalov

Sprache: Russisch - Untertitel: Deutsch

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Cannes Film Festival 2019 - Gewinner des FIPRESCI-Preises und Gewinner Un Certain Regard für beste Regie

Der Frieden ist die Fortsetzung der Hölle. Im Herbst 1945 grassiert im kriegsgezeichneten Leningrad Armut an der Grenze zum Hungertod. Masha und Iya, die aufgrund ihres hohen Wuchses auch Bohnenstange genannt wird, hat der gemeinsame Kampf ums Überleben zusammengeschweißt. Als es zu einem Unfall von Mashas Sohn unter Iyas Obhut kommt, sehen sich die beiden verpflichtet, ihre inneren Wunden im Füreinander zu kurieren. Dabei begeben sich die kriegstraumatisierten Frauen jedoch in immer tiefere Spiralen aus Verletzung und gegenseitigen Abhängigkeiten. 

Meisterhaft erzählt Bagalov anhand von Mashas und Iyas Geschichte exemplarisch von der Ohnmacht den posttraumatischen Verselbstständigungen gegenüber, die eine ganze Generation Europas gezeichnet hat. Inspiriert ist der Film von Geschichten aus Swetlana Alexijewitschs Dokumentar-Roman Der Krieg hat kein weibliches Gesicht, der ehemaligen Frontsoldatinnen ihre späte Anerkennung zuteilwerden lässt.

[Triggerwarnung: Kindstod; PTSD]

Spielfilm, RUS 2019, OmdU, Dauer: 139 Min., mit: Viktoria Miroshnichenko, Vasilisa Perelygina, Timofey Glazkov, Andrey Bykov, Igor Shirokov u.a.

Corpus Christi

Ein Film von Jan Komasa

Sprache: Polnisch - Untertitel: Englisch

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„Du sollst nicht lügen“ heißt es doch in der Bibel? Der zwanzigjährige Daniel hat im Jugendknast zu Gott gefunden, aufgrund seiner Vorstrafe jedoch keine Chance auf einen Platz im Priesterseminar. Stattdessen wird er ans andere Ende des Landes geschickt, um in einem Sägewerk zu arbeiten. Gelegenheit macht Priester; und so ergibt es sich, dass er sich spontan als neuer Dorfpfarrer ausgeben und so seiner Berufung nachgehen kann. Dank Charisma und unorthodoxer Methoden erobert der Hochstapler schnell die Herzen der kleinen Gemeinde. Und diese scheint einen neuen Seelsorger dringend zu gebrauchen. Schon bald nutzt Daniel seine neu gewonnene Autorität, um gegen viele Widerstände einem dunklen Geheimnis nachzugehen, das droht, die Gemeinschaft von innen zu verzehren. Es entspinnt sich ein Katz-und Mausspiel der besonderen Art, denn auch sein Betrug ist bekanntlich nur vom Glauben an ihn gedeckt.

Spielfilm, POL/F 2019, OmeU, Dauer: 116 Min., mit: Bartosz Bielenia, Eliza Rycembel, Aleksandra Konieczna, Tomasz Ziętek, Leszek Lichota u.a

Midnight Family

Ein Film von Luke Lorentzen

Sprache: Spanisch - Untertitel: Englisch

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Interview mit Regisseur Luke Lorentzen hier abrufbar

Oscar Shortlist für Beste Dokumentation

U.S. Documentary Special Jury Award für Cinematography Sundance FF

Was passiert in einer Stadt, in der es für neun Millionen Einwohner*innen lediglich 45 lizenzierte Rettungswagen gibt? Es entsteht ein Subgewerbe aus tausenden selbsternannten Rettungssanitäter*innen, die in einem Netz aus korrupter Polizei und konkurrierenden Rettungsunternehmen vor allem in den wohlhabenden Vierteln der Stadt nur ein Ziel verfolgen: Unfallorte als Erste zu erreichen, um Verletzte in weit entfernte Privatkrankenhäuser zu bringen und hohe Versicherungssummen einzustreichen.  

Midnight Family begleitet ein solches Unternehmen durch die nächtlichen Kämpfe von Mexiko-Stadt: Die Familie Ochoa, selbst getrieben von der Not, das eigene Überleben zu sichern. Von Absurditäten gezeichnet, vermittelt diese Dokumentation im Stile eines aufwendig choreografierten Actionfilms die Ohnmacht in der mexikanischen Metropole. Straßenrennen unter den Krankenwagen zur Unfallstelle sind nur eine Folge der schockierenden Umstände, denn wer zuerst hilft, kassiert ab… 

[Triggerwarnung: Blut, Verkehrsunfälle]

Dokumentarfilm, MEX/USA 2019, OmeU, Dauer: 81 Min.

One Day in the Life of Noah Piugattuk

Ein Film von Zacharias Kunuk

Sprache: Englisch und Inuktitut - Untertitel: Englisch / Deutsch

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1961. In Deutschland wird eine Mauer gebaut, der erste Mensch fliegt ins All und John F. Kennedy beendet die Rassentrennung in den USA. Was die Geschichtsschreibung nicht enthält: Ein weiteres indigenes Volk wird entwurzelt. Auf den Baffin Islands, ganz im Norden Kanadas, bricht Noah Piugattuk mit seinem Clan vom Camp zur Jagd auf. 

Bei der ersten Rast braust ein Weißer im Hundeschlitten heran, mit Geschenken und Dolmetscher im Gepäck. Die kanadische Regierung habe ihn geschickt; die Inuit sollen in eine Siedlung umziehen und ihre Kinder in die Schule schicken. Doch die Inuit denken gar nicht daran, ihren nomadischen Lebensstil aufzugeben. Es entspinnt sich ein nicht enden-wollender Dialog, teils komisch, teils hoffnungslos verloren zwischen den Sprachen.  

Inmitten einer eisigen Schneelandschaft erzählt One Day in the Life of Noah Piugattuk stellvertretend den rücksichtslosen Angriff des Westens auf den Lebensraum der „First People“ in allen Teilen der Welt. 

Spielfilm; CAN 2019, Inuktikut OmeUDauer: 111Min., Regie: Zacharias Kunuk mit: Apayata Kotierk, Kim Bodnia, Benjamin Kunuk  u.a. 

La Camarista (The Chambermaid)

Ein Film von Lila Avilés

Sprache: Spanisch - Untertitel: Englisch

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Interview mit Regisseurin Lila Avilés hier abrufbar

Mexikanischer Beitrag zu den 92. Oscars

Eve (Gabriela Cartol) arbeitet Vollzeit in einem Luxushotel in Mexiko-Stadt, ihre täglichen Arbeiten sind von einer ermüdenden Monotonie geprägt. Verwüstete Zimmer aufräumen, reinigen, Bettbezüge wechseln. Sie verrichtet ihre Dienste verlässlich und effizient. Immer in der Hoffnung, in der Hotelhierarchie aufzusteigen, um ihre Lebensverhältnisse zu verbessern. In ihrer kleinen Wohnung in einem weit entfernten Vorort der Stadt lebt sie mit ihrem Sohn zusammen, den sie, so oft es geht, von der Arbeit anruft. Eve scheint im grauen, rationalisierten Alltag, in den Personalaufzügen, Treppenhäusern und Räumen langsam unsichtbar zu werden. Sie muss lernen, dass Hoffnungen enttäuscht werden, Sehnsüchte unerfüllt bleiben und Träume zerplatzen.

La Camarista ist ein schonungsloses, schmerzhaftes Porträt einer jungen Angestellten in einem der zahllosen vornehmen Hotels in der mexikanischen Hauptstadt. Avilés zeigt mit langsamem aber stetigen Blick (à la Akerman) und mit einem Auge fürs Detail das ausweglose, sozialunverträgliche Schicksal der Protagonistin.

Spielfilm, MEX 2018, OmeU, Dauer: 102 Min., mit: Gabriela Cartol, Teresa Sánchez, Agustina Quinci

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