LICHTER geht feierlich zu Ende – „In Case We Never Meet Again“ gewinnt den Hauptpreis beim 19. LICHTER Filmfest in Frankfurt
Am Sonntagabend ist das 19. LICHTER Filmfest Frankfurt International feierlich zu Ende gegangen. In den vergangenen sechs Festivaltagen waren mehr als 100 Filme auf zehn Leinwänden zu sehen – darunter aktuelles Weltkino zum Jahresthema „Kunst“, Glanzlichter des deutschen Filmschaffens, regionale Lang- und Kurzfilme, Virtual-Reality-Arbeiten und zeitgenössische Videokunst.
Zum Abschluss wurden im Festivalzentrum MASSIF E die diesjährigen LICHTER-Bembel verliehen. Der Hauptpreis des Festivals, der Regionale Langfilmpreis, ging an Noaz Deshe für den Dokumentarfilm „In Case We Never Meet Again“.
Der Film erzählt von Menschen in der Ukraine, deren Leben durch den Krieg von einem Tag auf den anderen erschüttert wurde – und fragt, wie Liebe, Familie und Beziehungen dort weiterbestehen können, wo Krieg herrscht. In intimen, familiären Aufnahmen entsteht ein eindringliches Porträt von Alltag, Nähe und Widerstandskraft.
Der von der Frankfurter Produktionsfirma Telos Pictures produzierte und von Hessen Film & Medien geförderte Dokumentarfilm feierte bei LICHTER seine Deutschlandpremiere. Produzent Andro Steinborn nahm den mit 3.000 Euro dotierten Regionalen Langfilmpreis der Dr. Marschner Stiftung entgegen.
Die Jury – bestehend aus Anna Roller (Regisseurin), Gina Henkel (Schauspielerin) und Torsten Neumann (Festivalleiter) – begründete ihre Entscheidung mit den Worten:
„‚In Case We Never Meet Again‘ zeigt uns, dass, wenn die Gegenwart surreal erscheint, Träume umso realer werden. […] Durch seinen hybriden Ansatz, die schmerzhafte Nähe der Kamera und seine assoziative Dramaturgie entsteht ein poetisches und wuchtiges Porträt des Krieges, das lange nachhallt.“
Regionaler Kurzfilmpreis für Silke Schönfeld
Als bester regionaler Kurzfilm wurde „Die Unvorzeigbarkeit dessen, was nie hätte geschehen sollen“ von Silke Schönfeld ausgezeichnet. In dem Dokumentarfilm spürt die Regisseurin gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Tante den Kontinuitäten nationalsozialistischer Erziehungsideale nach.
Der mit 2.000 Euro dotierte Preis wird durch die freundliche Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ermöglicht.
Die Jury des regionalen Kurzfilm-Wettbewerbs – Sabrina Amali (Schauspielerin), Jasper Wiedhöft (Produzent) und Behrooz Karamizade (Regisseur) – würdigte den Film als Arbeit, die in einem begrenzten örtlichen Setting Bilder finde, „die Wurzeln schlagen und Abgründe sichtbar machen“. Zugleich zeige der Film zwei „unfassbar liebenswürdige Protagonistinnen“, zwischen denen Momente entstünden, in denen Erinnerungen neu betrachtet und Erfahrungen anders erzählt würden.
Nachwuchspreis des Filmhaus Frankfurt für „Harika“
Bereits zum fünften Mal verlieh das Filmhaus Frankfurt beim LICHTER Filmfest seinen Nachwuchspreis zur Förderung außerordentlicher Talente.
Das Filmhaus-Gerippte sowie ein Seminar- und Technikgutschein im Wert von 500 Euro gingen an „Harika“ von Seyit Beran Ergün. Der regionale Kurzfilm erzählt sommerlich und leicht von zwei Jungs und ihrer liebevollen Beobachtung kleiner Alltagsmomente.
Publikumspreis für „Ensemble Modern – Why We Play“
Der LICHTER-Publikumspreis ging in diesem Jahr an Thorsten Schütte für „Ensemble Modern – Why We Play“. Der Dokumentarfilm widmet sich dem Frankfurter Ensemble Modern, einem der weltweit führenden Musikerkollektive, und fängt die sinnliche Atmosphäre seiner Probenarbeit ein.
Im Zentrum steht nicht nur das Ergebnis auf der Bühne, sondern auch der Weg dorthin: das Suchen, Verwerfen und gemeinsame Finden einer musikalischen Sprache. Das Publikum entschied sich nach jeder Vorstellung per Schulnoten-Voting von 1 bis 5 für seinen Favoriten. Der Sieg fiel hauchdünn aus: Nur 0,09 Prozent trennten „Ensemble Modern – Why We Play“ vom zweitplatzierten Film „Fat Years Of Fatmull“ des nordhessischen Filmemachers Maxi Buck.
Thorsten Schütte erhält den LICHTER-Bembel sowie ein Preisgeld von 2.000 Euro.
16. LICHTER Art Award für „Father Says“
Eine Woche lang waren die fünf nominierten Arbeiten für den 16. LICHTER Art Award im haistudio ausgestellt. Am Sonntag kürte die Jury Artūras Ustinovas für seine Videoarbeit „Father Says“ zum Gewinner.
In seinem performativen Videowerk setzt sich Ustinovas mit der Beziehung zwischen Vater und Sohn auseinander. Über die Stimme des Vaters entfaltet sich ein Monolog über das Ungesagte. Die Jury – bestehend aus Filmemacherin Sita Scherer sowie den Kuratoren Leonie Emeka und Saul Judd – würdigte insbesondere die Verbindung von Bild, Ton und performativer Geste sowie die Auseinandersetzung mit Identität, Erinnerung und familiären Strukturen.
Der LICHTER Art Award ist mit einem Preisgeld von 1.000 Euro dotiert.
10. Virtual Storytelling Award für „Romancecar“
Auch der VR Storytelling Award wurde in diesem Jahr wieder als Publikumspreis vergeben. Nach vier Tagen immersiver Screenings in der Location display entschied sich das Publikum für „Romancecar“ von Jonathan Haggard.
Die VR-Arbeit erzählt von der japanischen Zuglinie Odakyu Romance Car, die seit den 1960er Jahren Tokio mit Naherholungsgebieten wie Hakone verbindet. In handgezeichneten 360-Grad-Panoramen verfolgt Haggard über mehrere Jahrzehnte die Veränderungen von Zug, Landschaft und den Menschen, die ihn nutzen.
„Romancecar“ wurde mit dem LICHTER-Bembel und einem Preisgeld von 1.000 Euro ausgezeichnet.