In Kooperation mit dem Exzellenzcluster Normative Orders (EXC) wird im LICHTER Begleitprogramm das Festivalthema Chaos diskursiv unter die Lupe genommen.

Die Unordnung der Dinge – Chaos als politisches Konzept

Mittwoch 04. April // 19:00 Uhr // Naxoshalle

Allem Chaos wohnt ein Zauber inne. Wer hätte nicht schon einmal davon geträumt, die Karten neu zu mischen, Bestehendes hinter sich zu lassen, den einen kleinen Schalter in seinem Leben nachträglich umzulegen. Denn alles könnte auch ganz anders sein. Ob kühne Revolutionäre, radikale Künstlerinnen oder disruptive Denker, sie alle vereint der Wunsch, alte Ordnungen abzustreifen, um neue zu schaffen. Das macht die Faszination von Chaos aus. Blickt man auf die aktuelle Weltpolitik, scheint die Lust an der Zerstörung jedoch zum Selbstzweck zu werden: Desinformation und Wahnsinn im Weißen Haus, die neue russische Lust am Bombenbauen, das antieuropäische Wahlverhalten in vielen Ländern der EU und sogar Zerstörung und Demontage in den deutschen Koalitionsverhandlungen sind nur wenige Beispiele. Ist Chaos also einfach der Preis unserer komplexen Welt, ein besonders destruktives politisches Konzept oder gar die Voraussetzung für produktive Veränderungen? Zum Auftakt des LICHTER-Jahresthemas „Chaos“ diskutieren:

  • Prof. Dr. Martin Saar (Institut für Philosophie, Excellenzcluster "Normative Orders" an der Goethe-Universität Frankfurt am Main)
  • Prof. Marion Tiedtke (Schauspiel Frankfurt)
  • Ralf Fücks (Zentrum Liberale Moderne)

Moderation: Corinna Budras (FAZ)

Eintritt frei

Über den Exzellenzcluster Normative Orders – Partner des Begleitprogramms 2018: Der Frankfurter Exzellenzcluster untersucht die Herausbildung normativer Ordnungen mit einem speziellen Fokus auf die gegenwärtigen Konflikte um eine „neue Weltordnung“. Das Netzwerk wird im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern gefördert und bündelt eine Reihe von Forschungsinitiativen im Frankfurter Raum und darüber hinaus. Die Sprecher-Universität ist die Goethe-Universität Frankfurt am Main.

How to Film Nothing

Donnerstag 05. April 2018 // 21:15 Uhr // Naxoshalle

Vortrag des Regisseurs Boris Mitić

Ein inspirierender Überblick über die kreativen und produktionstechnischen Herausforderungen, die der Entstehungsprozess von In Praise of Nothing (internationales Programm CHAOS) mit sich brachte.

Als globales Projekt im bankrotten Serbien gestartet ist der Film eine rhetorische Provokation eines autodidaktischen Filmemachers, ein achtjähriger Schaffensprozess, in dem 20.000 Seiten eklektischer Bibliographie zu kindlichen Versen destilliert wurden - sehr zur eigenen Überraschung des Autors, gelesen von Iggy Pop und musikalisch untermalt von den Kabarett-Großmeistern von den Tiger Lillies, versehen mit „dokumentarischem Material vom Nichts“, gefilmt in 70 Ländern von 62 Filmschaffenden, Superstars wie Novizen gleichermaßen, die zunächst freie Hand hatten, bald aber zunehmend präzise Anweisungen des Regisseurs erhielten, gemeinsam diskutiert in einer einzigartigen, maßgeschneiderten anonymen Online-Brainstorming-Plattform.

Dazu wird „Nothing's favorite homemade schnapps“ ausgeschenkt. Nicht verpassen!

Let Chaos reign?

Freitag 06. April 2018 // 19 Uhr // Foyer 1. Stock Deutsches Filmmuseum

Vorträge und Diskussion

In Kooperation mit dem Exzellenzcluster Normative Orders der Frankfurter Goethe-Universität wird am Festivalfreitag das Thema Chaos diskursiv unter die Lupe genommen. Jacob Lillemose, Kurator von X AND BEYOND in Kopenhagen wird in seinem Vortrag "The End is Not the End. Post-apocalyptic Imaginaries in Contemporary Movies" Katastrophen im Film unter die Lupe nehmen.  Im Anschluss findet ein Gespräch mit Peer Illner (EXC) zu Lillemoses Beobachtungen statt. Matthias C. Kettemann (EXC) versucht in seinem Beitrag Tohuwabohu 2.0 dem Chaos im Internet auf die Spur zu kommen, während Marcus Döller (EXC) in Chaos in die Ordnung bringen dem ästhetischen Begriff der chaotischen Unform nachgeht.  Im Anschluss prüfen sie ihre Thesen im moderierten Gespräch auf ihre Fruchtbarkeit füreinander.  

Moderation: Stefanie Plappert (DIF)

Eintritt frei


Jacob Lillemose PhD  The End is Not the End. Post-apocalyptic Imaginaries in Contemporary Movies 

Vortrag in englischer Sprache

Schon seit Urzeiten fantasieren die Menschen über das Ende der Welt. Bereits die Höhlenmalereien in Chauvet, deren Ursprünge 37.000 Jahre zurückliegen, bilden das monströse Drama eines Vulkanausbruchs ab. Heute sind solche Darstellungen welterschütternder Ereignisse ubiquitär in den fiktionalen Werken der Filmindustrie, vom Satellitenversagen in Geostorm bis zur Zombieapokalypse in World War Z. Jedoch ist das Ende in diesen zeitgenössischen Entwürfen nie wirklich das Ende, sondern immer auch Anlass für die Rückkehr zu etwas bereits zuvor Existentem oder der Anfang von etwas völlig Neuem. Dieser Vortrag präsentiert eine breite Auswahl kinematischer Katastrophen und erörtert die Implikationen dieser beiden „Nicht-Enden“. Er verhandelt die Vorstellung vom Ende der Welt als Ausblick für ein Weltenmachen, um ein kritisches Bewusstsein für die politischen und existentiellen Fragen imaginierter Desaster zu schaffen.  Im Anschluss diskutiert Jacob Lillemose seine Thesen mit Dr. Peer Illner (EXC). 


Dr. Matthias C. Kettemann, LL.M. (Harvard/EXC)  Tohuwabohu 2.0 

Das Chaos im Netz als Produktivkraft und Gefahrenquelle. Am Anfang war das Chaos. Dann kam die Freiheit. Dann kamen die Staaten und mit ihnen das Recht. Doch bedeutet dies mit dem Ende des Chaos auch das Ende der Freiheit? ‚Anti-chaotische‘, rechtssichernde Ordnungsansätze in der Internetregulierung können durchaus begründet werden, aber – so sie unverhältnismäßig sind, von übermächtigen Intermediären instrumentalisiert oder von Staaten autoritär aufgeladen werden – wohnt ihnen die Gefahr der Freiheitsverletzung inne.  Let chaos reign? Es gibt im Internet bedeutende ‚chaotische‘ Tendenzen: Fragmentierung, Cyberattacken, Diversifizierung privater Ordnungsbildung. Chaos ist nicht Anarchie, wenn das Chaos im Internet als Produktivkraft erhalten bleibt und weltgesellschaftliche Grundwerte sowie Grundprinzipien des Internets gesichert werden – dies zumal im Netz als nichtlineares, dynamisches System – wie in der Physik – Chaos der Regelzustand ist. Und Regeln sind bekanntlich normativ.


Marcus Döller (EXC)  Chaos in die Ordnung bringen 

Das philosophische Nachdenken über ästhetische Vollzüge in künstlerischen Praktiken ist gekennzeichnet durch eine Reflexion auf die Unterbrechung von Vollzügen des Gelingens in sozialen Praktiken und seinen normativen Konstitutionsbedingungen. In der Unterbrechung sozialer Praktiken des Gelingens öffnen sich ästhetische Vollzüge auf die Auflösung und Hervorbringung von Formen, die selbst nicht so wie die Form dieser Gebilde beschaffen sind. Chaos ist der Name für die Unform des Zugleich der Auflösung und Hervorbringung von Formen aus der Unförmigkeit. Marcus Döller wird in seinem Beitrag die paradoxale Verklammerung von chaotischer Unform und geordneter Form auf seine interne Dialektik hin befragen, indem er die moderne Ästhetik auf die Struktur der Hervorbringung chaotischer Unformen durch die Formen künstlerischer Praktiken befragt. Ästhetische Praktiken ermöglichen demnach die Darstellung eines Zugleich von Auflösung und Hervorbringung von Formen, indem sie sich in der Form von Werken auf chaotische Unformen hin öffnen und die Differenz von geordneter Form und chaotischer Unform in der Form ihrer Werke selbst auszutragen vermögen.


Donald Trump, der Schauspieler

Samstag, 07. April 2018 // 20 Uhr // Mal Seh'n Kino

Donald Trump, der 45. Präsident der USA, trat seit 1981 in 25 Film- und TV-Produktionen als Schauspieler auf, einmal gewann er gar die Goldene Himbeere für die schlechteste männliche Nebenrolle. Meist spielte Trump sich selbst, in Form von kurzen Cameo-Auftritten. Damit erspielte er sich ein Image, das ihn heute schier unverwundbar macht. Urs Spörri wagt eine filmwissenschaftliche Analyse, begleitet von zahlreichen Filmausschnitten. Er ist sich sicher, dass dieser Vortrag das Mysterium Trump verständlicher machen kann – und vielleicht sogar, warum so viele Menschen diesen Mann gewählt haben.

Der Vortrag ist in deutscher Sprache.

Lesetipp zum Einstieg

Über den Referenten: 

Urs Spörri hat Filmwissenschaft, Publizistik und Politikwissenschaft studiert - die Geschichte des  amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs verfolgt er seit 20 Jahren intensiv. So ist es nicht verwunderlich, dass er sich bald für den ungewöhnlichen Kandidaten Trump interessierte. Bei seiner monatelangen Recherche stieß er immer wieder auf Filme, in denen Trump mitgespielt hat.

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