Die LICHTER Preisträger*innen 2018

„Männerfreundschaften“ von Rosa von Praunheim erhält den Preis als bester regionaler Langfilm des 11. LICHTER Filmfests. Der LICHTER International Feature Award zum Thema „Chaos“ geht an „Blue My Mind“ von Lisa Brühlmann. Der Kurzfilm „Horizont“ von Peter Meister gewinnt den regionalen Kurzfilmpreis. Margarita Cadenas darf sich über den LICHTER Publikumspreis für ihren Film „Women of the Venezuelan Chaos“ freuen. Der Sieger des Virtual Reality-Wettbewerbs ist „I, Philip“ von Pierre Zandrowicz.

© Philipp Kohler

Mit einer feierlichen Preisverleihung und dem Abschlussfilm In den Gängen endete das 11. LICHTER Filmfest Frankfurt International am Sonntagabend. Vom 03. April bis 08. April hatte das Festival das Zoo-Gesellschaftshaus und weitere Kinos in Frankfurt und Offenbach mit über 100 internationalen und regionalen Filmen, Gesprächsrunden und Ausstellungen bespielt. Insgesamt kamen in diesem Jahr etwa 13.000 Besucher zu den Festivalfilmen, dem Kongress „Zukunft Deutscher Film“ und dem Autoscooterkino. 

© Dirk Hoy

Mit dem von Edgar Reitz initiierten Kongress „Zukunft Deutscher Film“ hat LICHTER Impulse für eine Erneuerung des deutschen Filmproduktionssystems gesetzt. Zwei Tage debattierten über 50 Filmschaffende aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern im Rahmen des Festivals zu den Themenkomplexen Förderung & Finanzen, Ausbildung & Nachwuchs und Distribution & Kinokultur. Der Tenor: Es muss sich etwas ändern, damit Filmkultur gestärkt, mutige Projekte eine Chance auf Realisierung haben und das Kino als soziokultureller Begegnungsort neu belebt wird. Begleitend dazu zeigte das Festival in einer eigenen Programmsektion die aktuellen Glanzpunkte der deutschen Filmlandschaft. 

„Ein Kongress wie dieser ist wichtig, damit Bewegung in die erstarrten Strukturen kommt. Dafür haben wir ein gutes Fundament gelegt. Mich freut es sehr, dass in den letzten Tagen von Frankfurt aus neue Impulse für den deutschen Film gesetzt wurden“, verkündete die Festivalleitung Gregor Maria Schubert und Johanna Süß


© Philipp Kohler

Der LICHTER International Feature Award

Zum dritten Mal zeichnete das LICHTER Filmfest den besten Langfilm aus dem internationalen Programm zum Thema „Chaos“ aus. Die Jury, bestehend aus Regisseur Giacomo Abbruzzese, Uri Aviv, Gründer des Festivals „Utopia” und Regisseur Simon Stadler entschied sich für das Coming-of-Age-Drama Blue My Mind.

Lisa Brühlmanns Regie-Debüt zeigt auf schmerzhafte Weise, wie eine Pubertierende sich mit dem Leben in einem neuen Körper arrangieren muss. „Der Film mischt auf einfühlsame Weise Pubertätsängste mit einer phantastischen Metamorphose. Das chaotische Gefühlsleben der herausragenden Hauptdarstellerin führt das Publikum durch ihre tiefgreifende Entwicklung ins Erwachsenenleben. Wir freuen uns, mehr von der Filmemacherin und ihren Schauspielerinnen sehen zu können“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Eine lobende Erwähnung erhielt der iranische Wettbewerbsbeitrag Pig von Mani Haghighi.

Neun Filme konkurrierten um den mit 1.500 Euro dotierten International Feature Award ermöglicht durch die Künstlerhilfe Frankfurt. 


Das Jahresthema beflügelte auch den Hang des Festivalteams zu kreativen und außergewöhnlichen Aktionen. Mit dem Light Rider – dem ersten Autoscooterkino der Welt – brachte LICHTER jede Menge wildes Durcheinander in die Naxoshalle. 



Der regionale LICHTER Wettbewerb

Aus neun Beiträgen im Regionalen Langfilm-Wettbewerb der Dr. Marschner Stiftung wurde Rosa von Praunheims neuer Film mit dem Weißen Bembel und einem Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro geehrt. In Männerfreundschaften geht der Kultregisseur der Frage nach, wie schwul Goethe war. Queergelesene Inszenierungen von Briefwechseln, Lyrik und dramatischen Texten an den Orten ihres Entstehens werden durch Interviews mit Literaturwissenschaftlern und Historikerinnen kommentiert. Amüsiert, schärflich und schwül lustwandelt von Praunheim durch die Parklandschaften der Literaturwissenschaft, befragt Privatgelehrte und nachgeborene Liebhaber Goethes, Schillers und Gleims. Und lässt so manchen, durchschüttelt von Eros, wiederauferstehen“, heißt es in der Jury-Begründung, die aus Filmkritikerin Carolin Weidner, Schauspielerin Julia Zange und Theaterregisseur Uwe B. Carstensen bestand.

© Philipp Kohler


Den Preis für den besten regionalen Kurzfilm erhielt Peter Meister für den Spielfilm Horizont. Der Spielfilm handelt von drei Schiffbrüchigen auf hoher See. Einer soll verspeist werden, aber wer? „Peter Meister zeigt ein Machtspiel, in dem jeder taktiert oder taktieren muss, um seine Haut zu retten. Das Kammerspiel beschreibt ein klassisches Dilemma. Wie viel bleibt von unserer Moral, wie viel bleibt von unseren demokratischen Übereinkünften, wenn es ums nackte Überleben geht“, lautet es in der Begründung der Jury. Regisseurin Lilo Mangelsdorff, Andreas Heidenreich, Vorsitzender des Bundesverbandes der kommunalen Filmarbeit und Filmemacher Peter Rippl lobten die präzisen Dialoge, seine hervorragenden Schauspieler und die gekonnt inszenierten Zwischentöne. Meister darf sich über 1000 Euro vom Filmhaus Frankfurt bar auf die Hand freuen. 

© Philipp Kohler

Der Binding Publikumspreis

Der Bindung Publikumspreis gibt den Besuchern des LICHTER Filmfests die Möglichkeit, ihren persönlichen Favoriten zu küren. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert und geht in diesem Jahr an Women of the Venezuelan Chaos. In dem Dokumentarfilm von Margarita Cadenas erzählen fünf Frauen, wie sich ihre Lebenssituation in Venezuela in den vergangenen Jahren verschlechterte.

Die Publikumspreise in den regionalen Kurzfilmrollen I und II gingen an Horizont von Peter Meister und Sog von Jonatan Schwenk

Wettbewerb Virtual Reality Storytelling

Der LICHTER VR Award ging in diesem Jahr an I, Philip von Pierre Zandrowicz. Bereits zum zweiten Mal präsentierte das Festival speziell für VR-Brillen entwickelte 360-Grad-Filme in dem international ausgeschriebenen Wettbewerb Virtual Reality Storytelling. Die fünf Finalisten wurden von einer Jury bestehend aus Vanessa Kincaid (Littlstar), Tomislav Bezmalinović (VRODO), Eckard Köberich (ZDF Digital) und Philipp Mehler (LICHTER Filmfest) aus über 70 Einreichungen ausgewählt. Neben dem Wettbewerb veranstaltete das Festival die Konferenz LICHTER VR Lab über Trends und Herausforderungen der noch jungen VR/AR-Szene. 

© Ernst Stratmann

Der LICHTER Art Award

Für Waiting for Record ist der Künstler und Filmemacher Jakob Engel bereits am Dienstagabend mit dem LICHTER Art Award ausgezeichnet worden. Der Wettbewerb für zeitgenössische Videokunst ist mit einem Preisgeld von 1.000 Euro dotiert. Über 90 Werke wurden für die achte Ausgabe des Art Award eingereicht. In dem Film wartet der afghanische Filmemacher und Schauspieler in Berlin auf die Bewilligung seines Asylantrages und arbeitet währenddessen als Putzkraft in einem großen Theaterhaus. Der Zuschauer begleitet Jalla bei seiner Arbeit, während parallel eingespielte Unterhaltungen die Lebenssituationen des Protagonisten wiederspiegeln. „Sprache und Bild verbinden sich zu einem eindrücklichen Porträt einer Person, dessen Leben zwischen seinem Traum als Filmemacher und seiner aktuellen Tätigkeit oszilliert“, sagte Jurymitglied Sergey Harutoonian in seiner Laudatio. Neben dem kuratorischen Assistent in der Sammlungsleitung des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, bestand die Jury aus Stefanie Böttcher, Leiterin der Kunsthalle Mainz, und Saul Judd, leitender Kurator des LICHTER Art Award. 

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