Die Highlights am Sonntag

Auf zum Finaltag: Zum Abschluss des 11. LICHTER Filmfests lassen wir uns nicht lumpen und greifen für Sie und Euch noch einmal beherzt in die Programmtüte. 

Moritz Daniel Oppenheim – The first Jewish painter

Im Juli 2015 setzt die Stadt Hanau einem ihrer bekanntesten Bürger ein Denkmal: Moritz Daniel Oppenheim. Wer war der „erste jüdische Maler des 19. Jahrhunderts“, geboren 1800 in Hanau, der bis heute als einer der visionärsten Künstler seiner Zeit gilt? Die selbst aus Hanau stammende Regisseurin Isabel Gathof zeichnet den Lebensweg eines Künstlers nach, der stets den interkonfessionellen Dialog suchte und sich dabei sowohl zu seiner jüdischen als auch seiner deutschen Herkunft bekannte. Welche herausragende Position *Oppenheim* damit einnahm, wird in Gesprächen mit Historikern und Nachfahren deutlich. Gleichzeitig begleitet der Film mit  eindrucksvollen, metaphorisch anmutenden Aufnahmen den Entstehungsprozess des Hanauer Oppenheim-Denkmals. Der Film erhielt 2017 eine Nominierung für den Hessischen Film- und Kinopreis in der Sparte Dokumentarfilm. Die Deutsche Film- und Medienbewertung verlieh ihm das „Prädikat Wertvoll“. Zu Erleben gibt’s das Stück Hanauer Kulturgeschichte um 12 Uhr im Mal Seh’n.


Das stille Leuchten – Die Wiedereroberung der Gegenwart

Omnipräsente soziale Medien, ständige Erreichbarkeit und sich in rasendem Tempo verbreitende Informationsströme haben längst gegenläufige Trends hervorgerufen - Stichwort Entschleunigung. Meditationskurse, Slow Food und Co. erfreuen sich heute größter Beliebtheit und eine säkularisierte Bewusstseinskultur hat still und heimlich Eingang in die verschiedensten Bildungsinstitutionen gefunden: die Elisabethenschule in Frankfurt integriert sie mit ihrem Projekt „Achtsamkeit in der Schule“ in den Schulalltag, der französische Fußballverband unterrichtet seinen Nachwuchs in Selbsterkenntnis und dem bewussten Umgang mit Emotionen. Anja Krug-Metzinger stellt mit ihrem neuen Dokumentarfilm Das stille Leuchten – Die Wiedereroberung der Gegenwart, die bei LICHTER ihre Weltpremiere feiert Einrichtungen vor, die einen zukunftsweisenden Weg eingeschlagen haben und fragen: Wie wollen wir in der Welt von morgen leben und lernen?  Wir zeigen den Film um 13 Uhr im Zoo-Gesellschaftshaus.


Die Tortur

Wieso foltern Menschen? Dieser Frage widmet sich der Frankfurter Regisseur Dieter Reifarth in Die Tortur. Entlang des gleichnamigen Essays von Schriftsteller Jean Améry zeichnet er dessen extreme Erlebnisse als NS-Gefangener in der belgischen Festung Breendonk nach. Archiv-Aufnahmen und Bilder aus dem heutigen Museum begleiten die Original-Tonaufzeichnung. In seiner philosophischen Analyse nähert sich Améry mit beeindruckender Sachlichkeit den Ursprüngen und Auswirkungen von Folter. Im Fokus der Abhandlung über Schmerz und Erlösung steht das Machtverhältnis zwischen Folternden und Gemarterten. Dieter Reifarths Film über die Fragilität des Lebens ist eine Herausforderung, der man sich nicht entziehen kann. Der Film ist ein Werk der Produktionsfirma strandfilm, die seit über 40 Jahren in Frankfurt beheimatet ist. Reifarth lebt ebenfalls in der Mainmetropole. Keine leichte Kost aber definitiv sehenswert! Los geht’s um 18 Uhr im Kino des Deutschen Filmmuseums.




Extra Regional

Vorwärts Immer! 

Ebenfalls in der Sektion Extra Regional träumt Erich Honecker von einem friedlichen Sozialismus. Und der sollte in die Tat umgesetzt werden; zumindest wenn es nach der Ost-Berliner Theatertruppe um den begnadeten Honecker-Imitator Otto Wolf ginge. Während der nämlich unter strengster Geheimhaltung die Persiflage „Vorwärts immer!“ probt, lautet die Realität im Oktober 1989: Schießbefehl in Leipzig. Als Otto erfährt, dass seine schwangere Tochter Anne ausgerechnet dorthin will, um sich einen gefälschten Pass für ihre illegale Ausreise in den Westen zu besorgen, muss Otto handeln. Honecker hat den Befehl erteilt, also kann nur er ihn wieder zurücknehmen. Oder eben Otto. Der echte Honecker befindet sich an diesem schicksalsträchtigen Tag auf der Jagd in Wandlitz, der Weg ins Zentralkomitee scheint frei. Gäbe es da nicht noch Mielke und Krenz, die an Erichs Stuhl sägen. Und Margot Honecker, die Otto näher kommt, als ihm lieb ist... Konterrevolution durch schauspielerische Improvisation eines Politiker-Doubles: Lubitsch lässt grüßen! Mit einem herrlich aufspielenden, wandlungsfähigen Starensemble sowie Gespür für witzige Dialoge und Timing gelingt Franziska Meletzky eine nicht ganz ernst gemeinte Geschichtsstunde, die zu Recht für den Hessischen Filmpreis nominiert wurde. Gefördert vom Land Hessen bekommt die DDR dabei zusätzlich Frankfurter Lokalkolorit: Der Campus Westend macht als Sitz des Zentralkomitees eine gute Figur. Heute um 16 Uhr im Zoo-Gesellschaftshaus.


Experimentalfilmrolle

Noch einmal kurzweiliges Filmvergnügen mit ganz viel visueller Stahlkraft. Von chaotischen Töchtern, Messias, großen Denkern und anderen Wirrköpfen. Sie alle zeigen wir gebündelt in der Experimentalfilmrolle um 20 Uhr im Mal Seh’n.


Das große Finale 

Abschlussfilm 2018: In den Gängen + feierliche Preisverleihung

Sechs Tage Festival sind wie im Flug vergangen. Das Programm war in diesem Jahr so prall gefüllt wie kaum zuvor in der LICHTER Geschichte. Im 11. Festivaljahr haben wir nicht nur wieder Filme in den beiden Wettbewerben um den besten regionalen Kurzfilm gezeigt, auch das internationale Kino brillierte mit manch visuellem Leinwandspektakel zum Thema Chaos. Ganz neu in diesem Jahr: Die Sektion Zukunft Deutscher Film, die im Rahmen des Kongresses nicht nur das Who ist Who der deutschen Filmbranche nach Frankfurt lockte, sondern auch im Rahmen der Filmreihe die ganze Bandbreite des deutschen Filmschaffens präsentierte. Um dem allem einen gebührenden Abschluss zu bereiten, folgt um 19 Uhr am heutigen Sonntag die feierliche Preisverleihung des 11. LICHTER Filmfests. 

Im Anschluss zeigen wir um 20 Uhr In den Gängen von Andreas Dresen. Wenn Gabelstapler Walzer tanzen... Eine ostdeutsche Romanze im Post-DEFA-Stil nach einer Kurzgeschichte des Leipzigers Clemens Meyer. Ein Spielfilm über die ganz normalen Leute: Malochende in einem Supermarkt mit angeschlossenem Warenlager. Es gibt dort das Meer und es gibt Sibirien. Meyer weiß, worüber er schreibt: er hat selbst als Gabelstaplerfahrer gearbeitet. Die Story: „Frischling“ Christian muss sich erst einarbeiten, Marion aus der Süßwarenabteilung führt ihn in die Geheimnisse des Jobs ein. Aber sie selbst hat auch ein Geheimnis. Thomas Stubers lyrische Liebesgeschichte um zwei, die bei der Wende verloren haben, erhielt auf der diesjährigen Berlinale die Auszeichnungen der Ökumenischen Jury und der Gilde deutscher Filmkunsttheater, er ist für den Deutschen Filmpreis nominiert. In den Gängen ist eine melancholische Lovestory, genau beobachtet und mit Sandra Hüller und Franz Rogowski mehr als nur toll besetzt. Für Fans der Filme von Andreas Dresen.

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