10.05. ‐ 15.05.2022

8 Fragen an...Alice Agneskirchner

Regisseurin von Komm mit mir in das Cinema - Die Gregors

1. Ich bin…

Dokumentarfilmerin. Mit Leidenschaft und Begeisterung. Die so ganz unterschiedlichen Geschichten, die in der Realität zu finden sind, aufzuspüren - sie einzufangen und zu erweitern, sie mit Humor und Tiefgang in einer adäquaten Dramaturgie für das Kino zu erzählen - die Freude daran läßt mich seit 30 Jahren immer nach neuen Filmthemen und menschen suchen, deren Geschichte ich erzählen will.

2. Was war Ihre Inspiration für Ihren Film über das bedeutendste deutsche Filmpaar Nachkriegsdeutschlands Die Gregors?

Erika und Ulrich Gregor sind unglaublich wichtige Persönlichkeiten innerhalb der deutschen Filmgeschichte, nicht weil sie Filme gemacht haben, sondern weil sie ihr Leben dem Zeigen von Filmen gewidmet haben. Asiatischer Avantgarde-Film, französischer Nachkriegsfilm, Andy Warhol, poetischer russischer Film der 70iger Jahre, der Deutsche Film, New American Cinema u.v.a.m. – sie haben das inernationale cineastische Kino aufgespürt und nach Deutschland gebracht, aber auch filmhistorisch vergessene Filme ausgegraben, von Marx Brothers bis Nosferatu - und den neuen Deutschen Film, den haben sie auch gezeigt ... Die deutsche Filmszene, nein, die der ganzen Welt wäre ohne die beiden so viel ärmer. Denn, was hilft es uns filmemachern, wenn wir Filme machen und keiner zeigt sie? Dieses bedeutende Lebenswerk wollte ich dokumentieren und die Geschichten wie es dazu kam festhalten. Dann wurde es ein Film, nicht nur über Zeitgeschichte, 70 Jahren Bundesrepublik Deutschland und 100 Jahren Filmgeschichte, sondern auch ein Film über die Liebe eines Paares, die Gregors, das seit 65 Jahren zusammen lebt und arbeitet. Heute noch.

3. Das Thema der diesjährigen LICHTER Ausgabe lautet „Freiheit“. Welches Thema kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Freiheit denken?

    Freiheit – das ist für mich das Leben in einer demokratische Gesellschaft, das ist nicht selbstverständlich und es ist wichtig, dass wir uns regelmäßig daran erinnern, dass wir in so einer Gesellschaft leben und leben wollen.

      4. Wenn Sie in diesem Moment die Freiheit hätten, zu tun, was Sie wollen, was wäre das?

      Angesichts des derzeitigen Weltgeschehens kann ich darauf nur antworten: Dauerhaft Frieden schaffen - und deshalb würde ich mir wünschen, wir würden weltweit einen Weg finden, diese unendliche Habgier auf Geld, Macht und Ruhm nur weniger Menschen – das konsequent zu verhindern.

      5. Warum sind Sie Filmemacher*in?

        Filmemachen ist meine Berufung. Ich war und bin kämpferisch genug es zu meinem Beruf zu machen.

        6. Was wünschen Sie sich für die Zukunft des deutschen Films?

          Mehr Mut, mehr Freiheit, mehr Kampfgeist und Filme, die etwas zu sagen haben.

          7. Meine liebste Filmszene aller Zeiten ist…

            In „La Strada“ (1954) von Federico Fellini spielt Geslomina als Clown verkleidet am Lagerfeuer für Zampano auf der Trompete. Trauer, Komik und Zuneigung und die Tragik, dass sie nicht zueinander finden werden.

            In dem Dokumentarfilm „Der Indianer“ (1988) von Rolf Schübel fährt eine Kamera mit subjektivem Blick in eine damals recht neue MRT-Untersuchungsröhre. Die Beklemmung, die in dieser Szene spürbar wird hat mich für immer gepackt. „Primary“ (1960) von Robert Drew, Don Alan Pennebaker, Richard Leacock und den Maysles-Brothers, darin wird der Primary-Wahlkampf von John F.Kennedy und Hubert Humphrey in Wisconsin mit vier Drehteams begleitet. Der 50 Minuten kurze Dokumenrarfilm ist die Geburtsstunde des DIRECT CINEMA. Jede Szene darin löst in mir Bewunderung und Gänsehaut aus.

            8. Wenn Sie mit jedem Menschen auf der Welt einen Film machen könnten, mit wem würden Sie arbeiten und um welches Thema würde es gehen?

              Es gibt so viele wunderbare Filmemacherinnen und Filmemacher auf der Welt, so viele Themen und Geschichten und Menschen - jeder Film hat seine eigene Agenda, da will und kann ich mich nicht festlegen.