18.04. ‐ 23.04.2023

8 Fragen an...José Costa

Regisseur von We Chechens

1. Ich bin…

José Costa und habe einen deutsch-portugiesischen Background.

2. Was war Ihre Inspiration für Ihren Film über die Integration tschetschenischer Kriegsflüchtlinge?

Im medialen und gesellschaftlichen Diskurs werden Tschetschenier*innen häufig mit diskriminierenden und rassistischen Schlagwörtern gleichgesetzt: Parallelgesellschaft, Clankriminalität und Extremisten. Über die Hintergründe dieser kleinen Volksgruppe, ihrer tatsächlichen Lebensweise und ihrer besonderen Kultur ist nur wenig bekannt. Die Abschlussdoku erlaubt es hoffentlich, dass diese Menschen über sich selbst, ihre Geschichte und über ihr Zurechtkommen in einem für sie fremden Land erzählen können. Zumal man sich abgesehen von Vorurteilen nie wirklich für ihre Erlebnisse, monströsen Wunden und der Existenz ihres kulturellen Erbes interessiert.

3. Das Thema der diesjährigen LICHTER Ausgabe lautet „Freiheit“. Welches Thema kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Freiheit denken?

Die Auseinandersetzung mit der Frage über das Toleranz-Paradoxon, ob die uneingeschränkte Toleranz wohl zum Verschwinden der Toleranz führt. Inwiefern, wenn wir die uneingeschränkte Toleranz auch auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, ob dann die Toleranten verschwinden und die Toleranz mit ihnen.

    4. Wenn Sie in diesem Moment die Freiheit hätten, zu tun, was Sie wollen, was wäre das?

    Hoffentlich etwas für Andere.

    5. Warum sind Sie Filmemacher?

    Wer sich mit den Geschichten Anderer beschäftigt, wird dreifach belohnt: Er lernt etwas über die Welt, ihre Menschen und vor allem über sich selbst kennen.

    6. Was wünschen Sie sich für die Zukunft des deutschen Films?

      Es gibt viele tolle Produktionen, schön wäre es, wenn sich eine europäische Streamingplattform langfristig mit hochwertigen Produktionen etablieren kann.

      7. Meine liebste Filmszene aller Zeiten ist…

        Seit Kindheit so einige aus Walter Hills „Streets of Fire“, der Film enthält viele Elemente, die ich damals als unglaublich cool empfand: Küsse im Regen, Neon-Lichter, Motorräder, coole Sprüche in toughen Situationen, Nachtzüge, Fragen der Ehre, unerfüllte Liebe und Rock 'n' Roll.

        8. Wenn Sie mit jedem Menschen auf der Welt einen Film machen könnten, mit wem würden Sie arbeiten und um welches Thema würde es gehen?

          Mit Andreas Altmann über das Scheitern und Wachsen im Leben anhand Anderer.